Kathrin Wittler

Kathrin Wittler
Kathrin Wittler

Alter und Beruf: 54, Geschäftsführerin im Gesundheitssektor, Personal Trainerin

Warum Lokaldemokratie?

Ich bin zunehmend enttäuscht von den großen Parteien, die vieles versprechen, interessiert und motiviert wirken – sich dann aber nach der Wahl nur noch miteinander beschäftigen, anstatt die Probleme anzugehen und Altlasten abzubauen. Das wäre aber ihre Aufgabe. So viel Gerede und sich selbst in Szene setzen, statt zu handeln – das kann hier vor Ort anders gehen. Dafür ist die „Lokaldemokratie in Bielefeld“ ein gutes Beispiel.

Ich habe nach einer politischen Gruppe gesucht, die eine gute Zukunft im Blick hat und die Wege dahin auch geht. Die nicht nur nach hinten schaut und Schuldige sucht oder den gegenwärtigen Status Quo verwaltet. So bin ich auf die LiB gekommen.

Meine Themen:

Verkehr

In der Verkehrspolitik ist noch viel Feinarbeit nötig. Ja, Bielefeld hat im Bereich Fahrradwege und Fahrradstraßen schon einiges erreicht. Aber sind die Menschen, die manche dieser Maßnahmen geplant haben, diese Wege jemals selbst gefahren? Da stehen Fahrradweg-Schilder mitten auf dem Weg und sorgen für Unfälle und Verletzungen, da sind Beschriftungen uneindeutig und Linien auf der Fahrbahn völlig verwirrend oder Übergänge fast unzumutbar. Abschnitte der Arthur-Ladebeck-Straße sind hierfür ein gutes Beispiel. Es gibt noch viel zu tun, und die ewige Diskussion, welche Verkehrsform Vorrang haben soll, hält uns nur auf dabei. Umsetzungen sind gefragt. Und mehr Miteinander.

Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit

Als Unternehmerin bin ich ein kleines Licht im Mittelstand, merke aber deutlich, wie Wirtschaftsförderung und politisches Denken vorrangig die großen Firmen im Blick haben. Dabei sind wir kleineren die, die das Stadtbild prägen, die fußläufig erreichbar sind und unsere Kundschaft hier vor Ort versorgen. Wir sind ansprechbar und lösungsorientiert – und werden im Rathaus häufig übersehen. Wir scheinen dort keine Bedeutung zu haben bzw. manchmal sogar „tragbarer Kollateralschaden“ zu sein.

Mich macht es wütend, wenn über Kürzungen im Bürgergeld-Bereich diskutiert wird, statt dort anzusetzen, wo das Kapital sich befindet. Ich liebe Gemeinschaften, wo jede*r sich einbringt – denn jede*r hat Stärken und Schwächen.

In meinem Beruf lerne ich viele Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Gruppen kennen – und wir bilden eine Community, die auf Respekt gründet. Daher bin mir sicher, dass Bielefeld in vielen Bereichen wachsen kann, wenn Unterschiede ausgeglichen werden und Teilhabe ermöglicht wird. Im Programm der LiB finden sich dafür viele gute Ansätze.

Die vielen Leerstände in der Innenstadt sind Hüllen von kleinen Existenzen, die mal mit Elan und Hoffnung angetreten sind – es aber nicht geschafft haben. Besonders bewusst wird mir das, wenn ich mit anderen Kleinunternehmerinnen und -unternehmern spreche, die mit bürokratischen oder anderen Hürden ausgebremst werden oder sogar an ihnen scheitern. Deshalb ist es eine gute Idee der LiB, hier mit Pop-Up-Stores und Förderung kleinen Unternehmen neue Startchancen zu eröffnen, statt die Gebäude verfallen und Stadtteilzentren sterben zu lassen.

Politikstil

Ich glaube, dass wir eine andere Haltung brauchen, um Bielefeld voranzubringen. Es mag sich wie Worthülsen anhören, aber ich meine das ernst: Wir brauchen Möglichkeiten statt Verpflichtungen. Einladungen statt Verbote. Offenheit statt Bedenken. Und den Willen, diese Worte immer wieder mit Taten zu füllen.

Viel wäre schon gewonnen, wenn wir unseren eigenen Standpunkt immer wieder öffnen um einander mehr zuhören. Schubladen machen das Leben leichter – aber man darf sich immer fragen, ob ein einmal eingeführtes System noch richtig ist, passt, oder das erfüllt hat, wofür es geschaffen wurde.

Gute, nachhaltige Lösungen findet man nur gemeinsam – und die Umsetzung funktioniert erst recht nur zusammen. Also sollten wir uns auch bei widerstreitenden Interessen zusammenraufen und den gemeinsamen Nenner suchen, statt persönlich zu werden. Dann wären Lösungen viel schneller greifbar.

Wir sind schließlich nicht in einer Talk-Show!